Zen Buddhismus – eine Lebens- und Meditationsform ohne Dogma

Zen Buddhismus ist ein philosophischer Glaube ohne Gottheit. Seine Anhänger sind dennoch keine Atheisten, sondern auf ihre eigene Weise religiös. Die Weltanschauung lässt sich eher mit dem Pantheismus vergleichen, verwendet jedoch keinerlei religiöse Attribute. Die zentrale Aussage des Zen Buddhismus lautet: „Eins ist alles und alles ist eins.“

Zen Buddhismus hat sich aus dem Mahayana-Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus entwickelt und wurde im 6. Jahrhundert von einem indischen Mönch nach China und anschließend nach Japan gebracht. Zen ist die japanische Bezeichnung eine Buddhismus-Schule, die den „großen Weg“ zur Basis hat. Seinem Wesen nach verträgt sich Zen Buddhismus sogar mit modernen Wissenschaften. Er nimmt eine Zwischenposition zwischen Religion und Atheismus ein, doch er trennt beide Auffassungen nicht, sondern verbindet sie.

Zen Buddhismus – Glücklich ohne

WissenZen hat keinerlei Lehre zum Inhalt, sondern verfolgt die Idee, das Leben in seiner ganzen Fülle zu leben. Er hat daher auch nichts vermeintlich „Nützliches“ anzubieten. Weil der Verstand Menschen den Zugang zum einfachsten Prinzip des Lebens versperrt, soll dieser durch tiefe Meditation ausgeschaltet werden. Statt intellektuellem Wissen bekommt man Zugang zum gesamten Universum. Weil das Innen nicht vom Außen getrennt wird, kann alles erlebt werden. Die Konzentration liegt immer auf Gefühlen und Handeln im aktuellen Augenblick. Allein über Zen Buddhismus zu sprechen, ist nach dieser Theorie also schon ein Paradoxon. Einer der bekanntesten Lehrer des Zen Buddhismus ist Thich Nhat Hanh. In den meisten Zen-Schulen werden Konventionen und Wissen als nutzlos betrachtet. Die Erleuchtung erfolgt nur durch selbst erstandene Einsicht, die den Zen-Übenden wie ein Blitz trifft. Meditation heißt im Zen stundenlanges Stillsitzen, wobei die Gedanken um eine einzige, paradoxe Frage kreisen, bis der Strom der inneren Vorstellungen dazu versiegt. Um von der Meditation nicht abgelenkt zu werden, wird das Leben so einfach wie möglich gestaltet.

Alle sind Wellen aus einem Ozean

Zen Buddhismus ist der „weglose Weg“ oder das „torlose Tor“ und wird durch Zazen praktiziert. (Japanisch Za=Sitzen und Zen=Versenkung). Durch das lange, meditative Sitzen bildet sich mit der Zeit die Fähigkeit heraus, alle Ereignisse und Situationen so anzunehmen, wie sie sind. Wird man beispielsweise mit Aggressionen konfrontiert, bilden sich umgehend diverse Gefühle wie gekränkt sein, Wut oder Hass. Sofort bewertet das Ich die Situation und aus dem Denken heraus und wir entwickeln Lösungsstrategien. Diese absichtlichen Handlungen sind selten heilsam, sondern schaden meist den anderen und anschließend uns selbst. Da es dieses Ich nicht wirklich gibt, kann auch nichts gekränkt sein. Der andere konnte aufgrund seines Bewusstseinszustandes nicht anders handeln. Dieses Bewusstsein zu erlangen, gelingt nicht über Nacht. Denn auch in der Meditation machen sich immer wieder das Ego und negative Emotionen bemerkbar. Daher ist tägliches Üben der Achtsamkeit notwendig.
Zen Buddhismus zu praktizieren, ist nichts Besonderes, sondern eine permanente Konzentrationsübung, bei der man allem und jedem wohlwollend gegenübersteht. Wird man mit Verbrechen konfrontiert, fällt es besonders schwer, Gelassenheit und Ruhe zu bewahren. Auch hier muss man sich eine besondere Betrachtungsweise aneignen. Erst auf einer tieferen Bewusstseinsebene sind Klarheit, Friede und Leere möglich. In der Sitzmeditation gibt es keine Probleme, man ist authentisch, klar und frei von negativen Emotionen.

Zen ist frei von Göttern, Heiligen und Teufeln

Zen verfolgt keine Lehren und Dogmen, ist für die Praktizierenden spontan und erfrischend, bedeutet aber auch harte Arbeit bei allen Verrichtungen des Alltags. Er lässt sich nicht mit intellektuellen Erklärungen erfassen. Zen Buddhismus basiert dennoch auf einem ein Leben nach sittlichen Normen, den 10 Silas, und lebt von der permanenten, nicht gegenständlichen Meditation. Auch der Zen-Übende unterliegt permanenter Veränderung. Was noch gestern von Bedeutung war, ist heute völlig unwichtig, so dass man jeden Tag gut gelaunt und freudig beginnen kann.