Wie wird man Buddhist?

Von Richard Lamers M.A.

Immer mehr Westler interessieren sich für Buddhismus und beschäftigen sich mit Buddhas Lehre, gehen in Zentren, hören Belehrungen und meditieren. Auch wenn man kein Buddhist werden muss, um buddhistische Praktiken auszüben oder ein Leben nach buddhistischen Grundsätzen zu führen, kommen manche irgendwann zu dem Punkt, an dem sie auch „offiziell“ Buddhist werden wollen.

Zuflucht nehmen

Um Buddhist zu werden, muss man sich nirgendwo eintragen lassen oder etwas unterschreiben. Stattdessen steht am Anfang traditionell die Zufluchtnahme. Die Zufluchtnahme erfolgt zu den so genannten „Drei Juwelen“. Diese sind der Buddha, der Dharma, also seine Lehre und der Sangha, das ist der Gemeinschaft der Laienanhänger, der Ordinierten und der bereits Erleuchteten. Diese Zufluchtnahme erfolgt in der Regel gegenüber einem Lehrer. Die dazu gehörige Zeremonie ist mehr oder weniger stark rituell ausgeprägt.

Bedeutung der Zufluchtnahme

Die Zufluchtnahme kann als Ausrichtung des Lebens auf einen spirituellen Bezugspunkt, im Gegensatz zu einem materiellen oder familiären Bezugspunkt geschehen. Die Ausrichtung auf Buddha soll dazu auffordern, über Buddhas Lebenweg und seine Erleuchtung nachzudenken, die Ausrichtung auf seine Lehre soll den Geist weise machen und die Ausrichtung auf die Gemeinde bietet Unterstützung bei Gleichgesinnten. Dabei gibt es je nach buddhistischer Schule noch weitere Ebenen und weitere Zufluchtsobjekte, zum Beispiel die Zuflucht zum Lehrer (Lama).

Buddhist werden und bleiben

Nach der erfolgten Zufluchtnahme wird diese in Gedanken oder in der Meditation täglich erneuert. Wie umfangreich dies erfolgt, hängt von der jeweiligen Schule und der eigenen Überzeugung ab. Dabei wird in jeder Tradition darauf werd gelegt, dass Buddhisten nicht im Formalismus ersticken, sondern die Zufluchtnahme einer tiefen inneren Überzeugen entspricht.

Weitere Verpflichtungen

Wer Zuflucht nimmt, kann auch darüber nachdenken, sich zu bestimmten ethische Richtlinien zu verpflichten. Dieser Kanon ist je nach Schule unterschiedlich umfangreich ausgeprägt und in verschiedene Stufen gegliedert. In der Zen-Tradition gilt es, 13 Gebote einzuhalten:

  1. Nicht töten.
  2. Nicht stehlen.
  3. Kein sexuelles Fehlverhalten.
  4. Nicht lügen.
  5. Keine berauschenden Mittel zu sich nehmen.
  6. Nicht über Fehler und Mängel anderer sprechen.
  7. Sich nicht selbst erheben und andere beschuldigen.
  8. Nicht geizig sein.
  9. Seinen Ärger keinen freien Lauf lassen.
  10. Ddie Drei Juwelen der Zuflucht nicht beschmutzen.
  11. Nicht Böses erzeugen.
  12. Gutes tun
  13. Gutes für andere bewirken.

Die letzten drei Gebote werden als die drei „reinen Gebote“ bezeichnet. Die ersten fünf Gebote entsprechen den Laien-Gelübden im Vajrayana. Im Vajrayana gibt es darüber hinaus noch das so genannte Bodhisattva-Gelübde, bei dem man sich verpflichtet, zum Wohle aller Wesen zu arbeiten.

Rückkehr möglich

Die buddhistische Gemeinde (Sangha) ist keine Sekte. Wer Zuflucht genommen hat, also Buddhist geworden ist, und später feststellt, doch in anderer Religion besser aufgehoben zu sein oder sich prinzipiell gegen ein religiöses Leben entscheidet, kann ohne weiteres sein Buddhist-Sein beenden. Eine offizielle Austritts-Zeremonie gibt es dafür nicht. Man stellt einfach seine buddhistische Praxis wieder ein. Dass dieser Schritt wohl überlegt sein sollte und vielleicht mit einem Lehrer oder einem Mitglied der Gemeinde besprochen werden sollte, dürfte selbstverständlich sein. Wer Gelübde auf sich genommen hat, kann diese wieder zurückgeben.

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