Wer ist der Dalai Lama?

Von Richard Lamers M.A.

Der 14. Dalai Lama ist der bekannteste Vertreter der tibetischen Buddhismus. Der Mönch Tenzin Gyatso,gilt als Wiedergeburt des Bodhisattvas Avalokiteshvara.

Westliche Staatsmänner und – frauen schmücken sich gerne mit dem lächelnden kleinen Mann. So traf Bundeskanzlerin Angela Merkel Sommer 2007 den Dalai Lama, der zuvor ganze Stadien füllte und wie ein Popstar bejubelt wurde. Der 14. Dalai Lama gilt seit der Verleihung des Friedensnobelpreis im Jahr 1989 als der populärste Vertreter des tibetischen Buddhismus. Eine unübersehbare Menge von Büchern und Artikel wurden über ihn geschrieben. Er selbst hat ebenfalls zahlreiche Werke verfasst, die in Europa und Amerika zu Bestsellern wurden. Der seit 1959 nach der Besetzung Tibets durch die Chinesen im indischen Exil in Dharamsala lebende Dalai Lama fasziniert zahreiche Westler, darunter zum Beispiel Schauspieler Richard Gere oder „Wir sind Helden“-Sängerin Judith Holofernes, durch seine Friedfertigkeit, seine spirituelle Ausstrahlung, seine Gelehrsamkeit und nicht seinen Humor. Dabei sieht der am 6. Juli 1935 als Lhamo Thöndup in der Provinz Amdo im Nordosten Tibet geborene sich gerne als einfacher Mönch, der er mit vier Jahren wurde.

Ein mongolischer Ehrentitel

Der Titel „Dalai Lama“ stammt aus dem Mongolischen und kann übersetzt werden mit „Lehrer, dessen Wissen so groß wie der Ozean ist“. Die mongolischen Herrscher waren in innertibetische Machtkämpfe involviert und unterstützten dabei die Schule der Gelupgas. Die formelle tibetische Anrede für den Dalai Lama ist Kundün („Gegenwart“). Im Westen sagt man „Seine Heiligkeit“.

Der 14. Dalai Lama

Der Mönch Tenzin Gyatso steht als 14. Dalai Lama in einer langen Tradition. Der erste in dieser Reihe war Gendün Drub (1391 – 1475), Abt des Klosters Drepung in Zentraltibet und Lama der Gelupga-Schule, die besonderen Wert auf Studium und Disziplin legt. Die „Vorbilder der Tugend“, nach ihrer Kopfbedeckung auch „Gelbmützen“ genannt, führen ein zölibateres Leben, verzichten auf Alkohol, Fleisch und Bequemlichkeit. Einige Jahre nach seinem Tod wurde Gendün Drub als 1. Dalai Lama bezeichnet. Bis zum 4. Dalai Lama galt der Dalai Lama als jeweilige Wiedergeburt Gendün Drubs. Der 5. Dalai Lama, der auch die weltliche Herrschaft über Tibet erlang, führte schließlich zusätzlich die Auffassung ein, der Dalai Lama sei eine Wiedergeburt des Bodhisattvas Avalokiteshvara (tibetisch Chenresi).

Inkarnation des Mitgefühls

Ein Bodhisattva, zu deutsch „Erleuchtungswesen“, verzichet nach buddhistischer Auffassung auf das Eingehen ins Nirwana, um allen anderen Wesen auf den Weg zur Erleuchtung zu helfen. Avalokiteshvara wird grenzenloses Mitgefühl zugeschrieben. Die Idee der Wiedereinkörperung verleiht der Institution des Dalai Lama eine besondere spirituelle Kraft und rückt sie in eine gottähnliche Stellung der Verehrung, obgleich dem Buddhismus die Idee eines Schöpfergottes fremd ist. Auch eine Seele, die wiedergeboren wird, gibt es nach buddhistischer Auffassung nicht. Vielmehr existiert nach dem leiblichen Tod ein Teil des Geistes weiter und führt, je nach karmischer Veranlagung, zu einer entsprechenden Wiedergeburt. Um einen hohen Würdenträger, wie den Dalai Lama ausfindig zu machen, wird eine Kommission eingesetzt, die Zeichen deutet und Orakel befragt. Das so gefundene Kind wird schließlich überprüft, zum Beispiel durch Gegenstände, die seine vorherige Existenz besaß und offiziell eingesetzt, so geschehen beim 14. Dalai Lama am 8. Oktober 1939. Der vierjährige Junge soll zuvor in seinem Heimatdorf Taktser die Findungskommission freudig mit „Lama, Lama“ begrüßt haben und hatte die Mala, eine buddhistische Gebetskette, des 13. Dalai Lama erkannt.

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