Theravada

Theravada ist eine buddhistische Schule, die Übersetzung lautet in der mittelindischen Sprache Pali “Schule der Ältesten”. Von allen überlieferten buddhistischen Schultraditionen ist Theravada die älteste, sie wurde kurz nach dem Tod von Siddhartha Gautama (= “Buddha”) im Jahr 483 v.Chr. begründet.

Entwicklung des Theravada

Die erste Mönchsgemeinde, die Buddha gefolgt war, traf sich drei Monate nach dessen Tod zu einem Konzil, um die Unterweisungen und Lehren von Buddha fortführen zu können. Das zweite Konzil fand rund 100 Jahre später statt. Inzwischen hatten sich mehrere Schulen etabliert, deren Lehren unter Buddhas Anhängern kontrovers diskutiert wurden. Diese Kontroversen setzten sich bis ins dritte vorchristliche Jahrhundert fort und führten zu verschiedenen Strömungen innerhalb der buddhistischen Schule. Der Theravada übernahm unverändert Buddhas ursprüngliche Lehren und Regeln, die im Drei-Kanon Tipitaka festgehalten waren. Der Theravada wurde Staatsreligion im Königreich Sri Lanka und verbreitete sich von dort aus durch Missionare nach Myanmar und Thailand, wo er ab dem 11. Jahrhundert Staatsreligion wurde. Ab dem späten 13. Jahrhundert verbreitete er sich nach Kambodscha und Vietnam, wo er bis heute eine große Bedeutung hat. Die gegenwärtige Verbreitung unter den Bewohnern südostasiatischer Länder im frühen 21. Jahrhundert lässt sich wie folgt aufschlüsseln:

  • Sri Lanka: 80 %
  • Burma: 89 %
  • Thailand: 94 %
  • Laos: 60 %
  • Kambodscha: 95 %

Anhänger gibt es auch in Südvietnam, in der südwestchinesischen Provinz Yunnan und in Indien.

Lehre des Theravada

Zur Lehre gehört das Nibbana (= “Verlöschen”), das in der Sanskrit-Übertragung durch die bekannte Begrifflichkeit des Nirvana gekennzeichnet wird. Es bedeutet, Gier, Ich-Sucht und Bindungen an weltliche Güter aufzugeben, um den Kreislauf der Reinkarnation zu verlassen. Im Gegensatz zu anderen Religionen, die “ewiges Leben” (wenigstens der Seele) versprechen, führt Nibbana zur Erkenntnis, dass die Dinge vergänglich sind. Dennoch ist das Verlöschen nicht der Tod, sondern ein Jetzt-Zustand der Bindungslosigkeit, in welchem die Anhänger des Theravada erst zur Erkenntnis und Lehre fähig sind. Dem historischen Buddha soll sein Nibbana und das anschließende Bodhi (“Erwachen”) schon 40 Jahre vor seinem Tod gelungen sein. Das Bodhi wiederum kann auf drei verschiedene Arten stattfinden, durch die Weisheit eines Lehrers (Savaka-Bodhi), vollkommen allein (Pacceka-Bodhi) und in der vollkommenen Form des Samma-Sambodhi, der nach selbstständigem Erwachen die Lehre weitergibt.

Die Rolle des Bodhisattva

Ein Bodhisattva ist ein Buddhist, der zunächst die eigene Erlösung sucht und anschließend anderen Menschen auf ihrem Weg hilft. Der Theravada misst dem Bodhisattva eine hohe Bedeutung zu, auch Buddha selbst gehörte zu diesen Auserwählten. Es gibt ein Bodhisattva-Ideal, dem sich praktizierende Buddhisten verpflichten können. Sie üben sich dann in den zehn Vollkommenheiten (Paramitas). Diese sind im Theravada:

  • 1. Freigebigkeit (Dāna Pāramī)
  • 2. Sittlichkeit (Sīla Pāramī)
  • 3. Entsagung (Nekkhamma Pāramī)
  • 4. Weisheit (Paññā Pāramī)
  • 5. Willenskraft (Vīriya Pāramī)
  • 6. Geduld (Khanti Pāramī)
  • 7. Wahrhaftigkeit (Sacca Pāramī)
  • 8. Standhaftigkeit (Adhitthana Pāramī)
  • 9. Güte (Mettā Pāramī)
  • 10. Gleichmut (Upekkhā Pāramī)

Theravada und Mahayana

Der Mahayana ist die zweite große, noch existierende Schule des Buddhismus, die sich schon in vorchristlicher Zeit emanzipiert hat. In dieser wurde kein endgültiger Kanon festgelegt, vielmehr passten die Anhänger des Mahayana ihre Lehre an die jeweilige Kultur an und gestatteten auch eine weltliche Orientierung. Der Kern der Lehre ist zwar ebenfalls der Sanskrit-Tripitaka, es wurden aber andere Sutras hinzugefügt, die in der modernen Zeit teilweise als bedeutsam gelten. Dazu gehören zum Beispiel das Herz-Sutra, das Diamant- und das Lotos-Sutra. Auch unterscheiden sich diese beiden Hauptschulen durch ihre Wege zum Nirvana. Der Theravada gilt zweifellos als die reinere Lehre.