Buddhismus im Westen

Von Richard Lamers M.A.

Seit den 60er und 70 Jahren hat der Buddhimus in Europa und den USA Fuß gefasst. Mittlerweile sind alle Schulen im Westen vertreten.

Der erste Hinweis auf den Buddhismus kam im Abendland vom Venezianer Marco Polo, der wundertätige Mönche am Hofe Kublai Khans im 13. Jahrhundert gesehen hatte. Danach war lange nichts vom Buddhismus zu hören. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten Mahayana-Manuskripte London und Paris und parallel dazu kam der Theravada-Kanon nach Europa. Colonel Henry Steel Olcott (1832 – 1907) und Helena Blavatsky (1831 – 1891) gehörten zu den ersten Amerikanern, die offiziell zum Buddhismus übertraten. Das war im Jahr 1880 als sie in Sri Lanka einen Tempel besuchten.

Interesse zuerst eher philosophisch

Das anfängliche Interesse am Buddhismus war im Wester eher wissenschaftlicher Natur. Philosophen, Sprachwissenschaftler und Historiker beschäftigten sich mit den Schriften. Doch bald begannen sich auch religiös motivierte Westler mit der Lehre Buddhas zu beschäftigen. Initialzündung war hier die Aufbruchstimmung der 1960er Jahre. Manche der spirituell Suchenden fanden im Buddhismus ihre Heimat und gründeten im Westen buddhistische Zentren. Seit den 1970er Jahren sind diese Zentren stark gewachsen. Was auch damit zusammenhängt, das östliche Lehrer häufiger im Westen lehren oder auch im westlichen Exil leben, wie tibetische Lamas.

Alle Gruppen vertreten

Die verschiedenen Schulen im asiatischen Buddhismus haben auch in Nord-Amerika und Europa Eingang gefunden. Dazu gehören Gruppen des Vajrayana, Zen, Theravada und Reines Land. Dabei gibt es jedoch Unterschiede. So ist der Zen in den USA stärker vertreten als in Europa, nicht zuletzt durch die traditionsreichen japanischen Gemeinden.

Der typische westliche Buddhist

Eine Studie (Martin Baumann, Buddhisten in Deutschland, Marburg 1993) hat versucht, den demographischen Hintergrund eines typischen deutschen Buddhisten zu ermitteln. Danach ist die Mehrzahl dieser Gruppe zwischen Zwanzig und Dreißig, Frauen und Männer sind etwa gleich verteilt, überwiegend sind sie Angehörige der oberen Bildungsschicht, finanziell meist gesichert, soziale, medizinisch-therapeutische und künstlerische Berufe überwiegen.

Typologie nach Schulen

Wenn man hingegen nach einzelner Schulen unterscheidet, so wie es Buddhismus-Forscher Detlef Kantowksy in seinem 1994 erschienenen Werk „Buddhismus“ versucht, ergibt sich ein anderes Bild, obgleich auch hier schematisch vorgegangen wird. Danach sind Anhänger des Theravada 50 Jahre und älter, deren Kennzeichen ist eine Handbibliothek und der Gruppenstruktur egalitär. Ihre Übungen sind häufig Lehrreden-Gespräch und die dazu passende Form Seminare und Retreats. Sprache bei den Übungen ist Deutsch oder Englisch. Eine ausgeprägte Ritualistik gibt es nicht. Als Lehrer fungieren Theras, Textkundige und Vipassana-Lehrer. Die geographisch-kulturelle Orientierung erfolgt Richtung Sri Lanka und Thailand.

Erkennungszeichen Mala

Bei den Anhängern des Vajrayana findet man häufig 20 bis 30jährige. Deren Erkennungszeichen ist die Mala, die buddhistische Gebetskette. Die Gruppenstruktur ist eher hierarchisch. Wer lange dabei ist, genießt hohes Ansehen. Die Bindung des Schülers an den Lehrer ist eng. Übungen sind Pujas (religiöse Feiern) und Meditationen. Die Übungsform ist die Belehrung. Sprachen bei den Übungen sind Tibetisch und Deutsch. Als Lehrer treten in der Regel Lamas auf. Die Ritualistik ist ausgeprägt und die Orientierung erfolgt Richtung Tibet und Indien.

Erkennungszeichen Zafu

Anhänger des Zen sind durchschnittlich 30 bis 40 jahre alt, deren Erkennungszeichen ist das Zafu (Sitzkissen). Die Gruppenstruktur ist hierarchisch. Wesentlich ist die Verweildauer und die Ausbildung. Die wesentliche Übung ist Zazen, die Meditation im Sitzen. Sprachen bei den Übungen sind Deutsch und Englisch. Lehren sind hier Roshis. Die Ritualistik ist ausgeprägt, die Orientierung geht Richtung Japan und China.

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