Zazen Meditation

Der Zen-Buddhismus ist die innere Sammlung des Geistes und die Versunkenheit, in der dualistische Unterscheidungen aufgehoben sind. Ich und Du, Subjekt und Objekt, wahr und falsch und damit Besitzdenken, gegenseitiges Abschätzen, Neid und Hass gibt es nicht. Entstanden aus der „Lehre von der Leere“ (Sunyavada) in Indien im 2. Jahrhundert unserer Zeit und galt dort 800 Jahre lang. Der Buddhismus, der ab 1000 u. Z. aus Indien verdrängt wurde, lebte vor allem in China und Japan weiter, dort in der Form des Zen.

Die Zazen Meditation ist eine besondere Technik im Zen-Buddhismus. Nicht zu leugnen sind Ähnlichkeiten aus der Lehre des indischen Yoga, wie sie schon im indischen Nationalepos Mahabharata dargestellt werden. Es gibt starke Übereinstimmungen zwischen den Yoga-Praktiken und der Zazen Meditation.
Für die Zazen Meditation des Zen-Buddhismus und die Yoga-Meditation werden nach schriftlichen Überlieferungen Berghöhlen oder der Wurzelbereich alter Bäume als geeignete Orte empfohlen. Besonders das letzte Drittel einer Nacht ist für die Zazen Meditation oder die Yoga-Meditation geeignet. Die vorgeschriebenen Körperhaltungen entsprechen einander.
Abweichungen zwischen beiden Lehren sind folgende:
Im Yoga liegt die Aufmerksamkeit zu Beginn der eigentlichen Meditation auf den Sinnesorganen, besonders der Atmung. In der Zazen Meditation wird schon während der Vorbereitung auf die Meditation der Abwendung der Sinnesorgane von ihren Objekten Aufmerksamkeit gewidmet. Das heißt, dass alle ablenkenden äußeren Eindrücke, die Begierden hervorrufen können, ausgeschaltet werden. Auch außerhalb der Meditation gilt das „Bewachen der Tore der Sinne“ als allgemeine Pflicht. Ergebnis der Zazen Meditation ist Erkenntnisgewinn. Sie verläuft in drei Phasen: Vorbereitung zur Meditation, Überwindung der Hindernisse und die Erlangung der vier Versenkungsstufen. Diese sind Nachdenken (über einen Gegenstand), Erreichen innerer Ruhe, inneres Glück und Erlösung von Begierden und Leiden.
In der Praxis wird die Zazen Meditation in einem ruhigen Raum ausgeübt, in lockerer Kleidung. Der Ausübende sitzt in einer ihm bequemen Haltung, zum Beispiel im Lotossitz oder im Fersensitz und beobachtet seinen Ein- und Ausatem. Die Haltung kann durch Kissen oder Yogablöcke unterstützt werden. Auch im Stehen ist die Zazen Meditation möglich, wenn das Sitzen auf dem Boden zu unbequem ist. Wählt man die sitzende Position (auch auf einem Stuhl möglich) ist auf eine gerade Haltung zu achten, da das Zwerchfell beim Atmen nicht gequetscht werden soll. Der Kopf wird so aufrecht gehalten, als würde er durch Fäden an der Decke nach oben gezogen werden. Die Hände liegen locker gefaltet vor dem Körper im Schoß. Der Körper verharrt während der Zazen Meditation völlig regungslos. Man sagt auch, diese Haltung führt zur Stille des Körpers. Der Atem geht bis tief in den Unterbauch (Bauchatmung).

 

Diese Region, im Zen Tanden genannt, ist das Körperzentrum. Hier liegen Nervenbahnen, die über den Rücken, an der Wirbelsäule entlang bis in die Hirnregion verlaufen. Wird die Zazen-Haltung richtig ausgeführt, ist das Bewusstsein klar und die Konzentration auf einen Gegenstand, das Nachdenken über diesen, möglich. Eine falsche Haltung kann das Abschweifen der Gedanken verursachen. Darum muss die Körperhaltung immer wieder überprüft und korrigiert werden. Die auftretenden Gefühle und Empfindungen lässt der Meditierende ohne zu werten vorbeiziehen, eliminiert sie. Der Geist bleibt auf den Gegenstand gerichtet, erkennt ihn intuitiv, durch unmittelbare Wahrnehmung. Das Bewusstsein ist in diesem Stadium der Zazen Meditaion nicht ausgeschaltet. Anfänger der Zazen Meditaion üben 15 Minuten, möglichst täglich. Je öfter und konzentrierter geübt wird, umso länger können die Phasen der Zen Meditation ausgedehnt werden. Ohne geduldiges Üben wird das Ziel, die vier Versenkungsstufen der Zazen Meditation zu erfahren, nicht erreicht werden.